Der Kern von #gutlebendigital

von | Feb 18, 2019 | Blog, Unkategorisiert

Der Mensch muss im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen, die Technik also dem Menschen dienen. Darüber besteht weitgehende Einigkeit - so auch vor dem Digital-Gipfel 2018. Zu oft bleibt aber offen, was das konkret bedeutet. Notwendig wäre ein gemeinschaftlich geteiltes Bild einer gelingenden Zukunft im digitalen Zeitalter, das sich am Wohl von Menschen und Gesellschaft orientiert. Ein solches Zukunftsbild würde Orientierung geben, Ängste abbauen und zukunftsfähiges Handeln von Politik, Wirtschaft und einzelnen Menschen erleichtern.

Daher haben wir aus dem Dialogprozess #gutlebendigital heraus Zukunftsbilder, Handlungsempfehlungen und konkrete Projekte für 11 Themenfelder vom Ich, über Arbeit, Bildung und Gesundheit bis zu Zusammenleben und Politik sichtbar gemacht. Die vier wichtigsten Kernaussagen und damit verbundenen Handlungsempfehlungen aus dem Prozess sind über die Grenzen von Themen, Disziplinen und Ressorts relevant und sollten in Zukunft in allen Digitalisierungsdiskussionen mitgeführt werden:

1. Teilhabe: Die digitalen Technologien sollten so eingesetzt werden, dass sie umfassende Teilhabe, Inklusion und Partizipation in Bildung, Wirtschaft, Politik usw. erleichtern. Zu dieser wünschenswerten Zukunft tragen viele Akteure bei:

  • Die einzelnen Menschen unterstützen andere dabei, den Zugang zu digitalen Technologien zu finden.
  • Die Unternehmen und andere Organisationen finden und ermutigen Lotsen und Coaches für Digitalthemen. Sie übernehmen Verantwortung für die Weiterbildung von Mitarbeitern und Externen.
  • Politik und Verwaltung achten auf spezielle Bedarfe der Schwächsten und adressieren diese, um die digitale Spaltung so gering wie möglich zu halten.

Konkrete Projekte, die das schon heute praktizieren sind zum Beispiel die IrmgardApp für Analphabeten, Companion2Go für Teams aus Menschen mit und ohne Behinderung, oder die Digitalen Helden, die dabei helfen digitale Kommunikation bewusst und kompetent zu nutzen. Sie sollten mehr Aufmerksamkeit, Unterstützer und Nachahmer in benachbarten Bereichen erhalten.

 2. Offenheit: Für gelingende Digitalisierung ist Offenheit in zwei Richtungen wichtig: Erstens die Offenheit und Neugier von Menschen, Unternehmen und Politik für Neues und für Experimente. Zweitens die Offenheit von Produkten, Prozessen, Algorithmen usw., damit die Nutzer diese verstehen können und Monopole vermieden werden. Handlungen in einer gelingenden Zukunft sind z.B.:

  • Die einzelnen Menschen probieren gemeinsam mit anderen Neues aus und tragen zu offenen Lösungen wie z.B. Openstreetmap bei.
  • Unternehmen und andere Organisationen gestalten ihre eigenen Prozesse und ihre digitalen Produkte so offen und transparent wie möglich und setzen selbst offene Produkte ein.
  • Politik und Verwaltung schaffen Freiräume für Experimente, setzen selbst offene Lösungen ein und fördern diese wo immer möglich.

Weitere zukunftsweisende Projekte sind die Open Educational Resources, das Open Government Netzwerk, die Plattform Open Petition oder der Prototype Fund für Open-Source Projekte.

 3. Vielfalt: Fortschrittliche Gesellschaften zeichnen sich durch ein hohes Maß an Vielfalt und Diversität aus, die wiederum Innovationskraft und Widerstandsfähigkeit stärken. Diese Vielfalt sollte im digitalen Raum erhalten, gefördert und ausgebaut werden. Dezentrale Strukturen sind dafür hilfreich und erhöhen gleichzeitig die Zuverlässigkeit. Zukunftsweisendes Handeln bedeutet:

  • Jede(r) Einzelne macht seinen Beitrag zur Vielfalt auch im digitalen Raum sichtbar und geht in Begegnung mit anderen.
  • Die Unternehmen und andere Organisationen setzen eine große Vielfalt von Ideen, Menschen, Methoden etc. zum digitalen Wandel ein und bauen Kompetenz für den Umgang mit dieser Vielfalt und der Vielfalt der Kunden auf.
  • Die Politik schaut in allen Digitalisierungsprojekten nicht nur auf den imaginären Durchschnittsnutzer, sondern berücksichtigt die Vielfalt der Menschen.

Auf Grund der großen Vielfalt an Zugängen sind die konkreten Wege individuell und lassen sich nicht mit speziellen Beispielen illustrieren.

 4. Regeln: Bei aller Vielfalt ist eine Verständigung auf gemeinsame Regeln, Normen und Standards wichtig für gelingende Digitalisierung. Standards für Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Strukturen ermöglichen Zusammenarbeit und Kooperation. Aktivitäten in dieser gelingenden Zukunft sind:

  • Jede(r) Einzelne achtet auf gute Regeln für den eigenen Umgang mit digitalen Technologien, bringt sich in deren Gestaltung im eigenen Umfeld (Familie, Arbeit, Schule etc.) ein und wendet sie selbst an.
  • Unternehmen und andere Organisationen erarbeiten gemeinsam mit Mitarbeitern und Kunden Regeln für den Einsatz der digitalen Technologien und arbeiten an Standards für die Produkte der jeweiligen Branche mit.
  • Die Politik macht bestehende Regeln sichtbar und steht als Gastgeber für die Entwicklung von neuen Regeln und Standards zur Verfügung.

Gute Beispiele für Regeln und Standards sind der Internet-Führerschein des internet-abc.de, die Ethikgebote von JUUUPORT, Betriebsvereinbarungen von Bosch oder der GASAG, und das zentrale Interoperabilitätsverzeichnis des deutschen Gesundheitswesens Vesta

Dieser Text in pdf-Fassung.

Die vier
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Soziologie der Digitalisierung

Im Buch „4.0 oder die Lücke die der Rechner lässt“ des Soziologen Dirk Baecker finden sich viele Bezüge zu den Ergebnissen aus #gutlebendigital

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