Die OECD zu Lebensqualität und Digitalisierung

von | Feb 26, 2019 | Blog, Unkategorisiert

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist seit fast 15 Jahren einer der Vorreiter der Messung von Lebensqualität. Im Jahr 2009 wurde das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt erster deutscher Netzwerkpartner des „Global Project on Measuring and Fostering Societal Progress“, welches der damalige OECD-Chefstatistiker Enrico Giovannini ins Leben gerufen hatte. Im Jahr 2011 änderte die OECD sogar ihren Slogan auf „Bessere Politik für ein besseres Leben“ und veröffentlicht seitdem jährlich den umfassenden „Index des besseren Lebens“.  

Nun hat sie die Lebensqualitätsmessung ins digitale Zeitalter weiterentwickelt und eine große Studie zu „How's Life in the Digital Age?“ vorgelegt. Damit geht sie einen Weg, den wir mit #gutlebendigital ebenfalls gehen. Hoffentlich gibt diese große, einflussreiche Organisation dem Diskurs über die Gestaltung der Digitalisierung für mehr Lebensqualität einen kräftigen Impuls, an dem sich auch in Deutschland die Politik, die Unternehmen, die Verbände und viele andere orientieren.

Der Zugang der OECD unterscheidet sich in drei Punkten vom Prozess #gutlebendigital. Erstens wurde dort zu Beginn kein offener Dialogprozess mit vielen unterschiedlichen Perspektiven durchgeführt. Die Ergebnisse „How's Life in the Digital Age?“ wurden von den – zweifelsohne hochqualifizierten – Fachleuten der OECD erarbeitet. In komplexen gesellschaftlichen Systemen besteht durch einen alleinigen Fokus auf Experten eine größere Gefahr, dass wichtige Punkte nicht gesehen werden. Der zweite Unterschied zu #gutlebendigital ist die fehlende Verbindung zu konkreten Handlungsempfehlungen und Projekten, die wir bereits in den Zwischenergebnissen sichtbar machen. Und drittens ist die OECD natürlich weitaus größer als das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt und kann weitaus umfangreichere Berichte verfassen: „How's Life in the Digital Age?“ hat 176 Seiten, die aber nur auf Englisch verfügbar sind.

Viele Einblicke decken sich mit denen aus #gutlebendigital. Die OECD stellt die Bedeutung emotionaler Kompetenzen und von Selbstkontrolle mit Blick auf die mentale Gesundheit heraus. Ebenso natürlich die digitalen Kompetenzen. Auch die Teilhabe von möglichst vielen Menschen an der Digitalisierung ist ihr wichtig. Leider sind einige Indikatoren v.a. aus dem Bildungsbereich für Deutschland nicht verfügbar: Die technische Ausstattung der Schulen und die digitalen Kompetenzen der Lehrer. Hoffentlich ändert sich das bald.

Spannend ist die negative Korrelation zwischen dem Vertrauen in die eigene Regierung und dem Erleben von Falschinformationen im Internet (Seite 77). Das passt zu den Einblicken aus unserer Studie „Die glückliche Variante des Kapitalismus 2.0“: Gute Regierung geht einher mit einer freien Presse.

Deutschland schneidet im Vergleich mit den anderen OECD Ländern recht passabel ab. Schwächen sieht die OECD in der Online-Ausbildung, in der Telearbeit und in der Telemedizin. Die Deutschen setzten wohl nach wie vor stark auf den direkten Kontakt am gleichen Ort. Sorgen macht man sich in Paris auch über den vielen Elektroschrott, der in Deutschland entsteht, und über die vermutlich hohen Arbeitsplatzverluste durch Automatisierung.

Weit vorne sind aber auch hier einmal mehr die Länder der glücklichen Variante des Kapitalismus: Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz.

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Der Mensch muss im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen, die Technik also dem Menschen dienen. Zu oft bleibt aber offen, was das konkret bedeutet.

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