Vertrauen im digitalen Zeitalter

von | Mai 22, 2018 | Blog, Unkategorisiert |

Das allgemeine Vertrauen der Menschen in ihre Mitbürger ist einer der wichtigsten Indikatoren für das Sozialkapitel einer Gesellschaft. Die Lebensqualitätsforschung sieht zudem einen engen Zusammenhang zur Lebenszufriedenheit der Menschen – wir sind eben soziale Wesen.

Im digitalen Zeitalter stellen sich neue Fragen zum Vertrauen. Insbesondere geht es darum, wie die „sozialen“ Medien für ein vertrauliches Miteinander genutzt werden können. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Europäischen Kommission mit Fokus auf „Fake News“ liefert relevante Einblicke – möglicherweise auch für die Anhörung des Facebook-Chefs heute in Brüssel. Sie zeigt große Unterschiede zwischen dem Vertrauen in verschiedene Medien, aber auch Unterschiede zwischen den Ländern in der EU.

Den klassischen Medien wie Radio, Fernsehen und Zeitungen vertrauen die Menschen weitaus mehr als den neuen „sozialen“ Medien (wie auch im Gemeinwohlatlas). Während im EU-Durchschnitt 66 Prozent der Menschen den Nachrichten und Informationen vertrauen, die sie über das Fernsehen erhalten, sind es für die sozialen Medien nur 26 Prozent. Ob aus dem niedrige Vertrauen auch folgt, dass die sozialen Medien kaum Einfluss auf die Meinungsbildung der Menschen haben, sagt das Eurobarometer allerdings nicht. Logisch wäre es, wenn man einer wenig vertrauenswürdigen Quelle auch wenig Gewicht geben würde.

Vertrauen in Medien

Zwischen den Ländern in der Europäischen Union gibt es große Unterschiede, die anhand der Struktur der „Glücklichen Variante des Kapitalismus“ betrachtet werden sollen. Die Menschen in den nordischen Ländern und in den Niederlanden – alles Mitglieder der glücklichen Variante des Kapitalismus – haben großes Vertrauen in ihre Mitmenschen und in ihre Fernsehanstalten (und Zeitungen). In drei dieser Länder ist auch das Vertrauen in die sozialen Medien überdurchschnittlich hoch (siehe Grafik). Möglicherweise zeigen diese Länder einmal mehr einen zukunftsorientierten Weg auf, indem sie die sozialen Medien bereits relativ sinnvoll nutzen.

Deutschland ist die große Ausnahme unter den Ländern der glücklichen Variante. Das Vertrauen in Fernsehen und Zeitungen liegt hinter den anderen glücklichen Ländern zurück. Und das Vertrauen in die sozialen Netzwerke ist so niedrig wie nur noch in Österreich. Hier deutet sich erheblicher Handlungsbedarf an – für den laut Eurobarometer vor allem die Journalisten und die nationalen Regulierer gefragt sind.

Das Gegenstück zu Deutschland ist in dieser Analyse Portugal, ein Land aus der nicht wirklich glücklichen, südeuropäischen Variante des Kapitalismus (mit Spanien und Italien). In der Umfrage des Eurobarometer überrascht Portugal mit hohen Vertrauenswerten in Fernsehen, Zeitungen – und eben auch in die sozialen Medien. Eine Lernreise nach Portugal könnte für deutsche Journalisten und Regulierer Sinn machen.

Die relativ hohen Vertrauenswerte für die sozialen Medien in Griechenland, Ungarn und Polen laden zu Spekulationen ein. Dort ist das Vertrauen in die „traditionell“ Medien so extrem niedrig, dass die Hoffnung möglicherweise auf den neuen Medien ruht.

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